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Wer kennt sie nicht die netten versprechen auf Lebensmittelverpackungen, niedergeschrieben in perfekter Typografie und schneidiger Rhetorik? Die meisten dieser gut geölten Kurzgeschichten sollen von den negativen Gedanken bezüglich der Inhaltstoffe ablenken und dem Verbraucher das Köpfchen streicheln und den weg zur Kasse weisen. Ob und was dahinter steckt läßt sich selbst an kleinen Beispielen schnell klar stellen. Selbst verständlich nur wenn man es will und nicht alles als Gott gegeben hin nimmt was einem das Etikett oder sogar die Werbung auf die Nase bindet.
So wirbt z.B. die Firma Landliebe damit ihr Bezugsquellen bzw. die Händler zu kennen und diese auch sorgfältig auszuwählen. Das klingt in erster Hinsicht nicht schlecht, aber es sollte nichts besonderes sein die jenigen zu kennen von dem man seine Rechnungen bekommt. Solche imaginären Vertrauensmerkmale wo viel geschrieben wird aber die Botschaft bei genauerem betrachten völlig fehlt, sind keine Seltenheit. Aber ich bin mal gespannt was dieses Unternehmen sonst noch auf dem Kasten hat außer seinem Möchtegern naturverbundenem Bla-Bla. Deshalb habe ich mich entschlossen ihnen ein kleines Schreiben zukommen zu lassen.
Nachricht 1 an Landliebe:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie werben unter anderem damit, ihre Bezugsquellen sorgfältig auszuwählen und diese auch zu kennen. Die PHO interessiert sich für diese Vorgehensweise sehr und würden gerne erfahren, ob sich hinter der ritterlichen Behauptung nur heiße Luft befindet die dem Konsumenten Sicherheit suggerieren soll. Die PHO würde gerne wissen, wo diese Standorte bzw. Bezugsquellen ihr Gutes und Gesundes so kontrolliert verrichten.
Liebe Grüße, Ingo Axer/ PHO
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Reaktion von Landliebe:
Keine Reaktion.
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Es ist keine Seltenheit das Anfragen nicht beantwortet werden die etwas heikel ins Detail gehen. Aber man soll ja nicht den Mut verlieren und am Ball bleiben. Vielleicht ist ja der jenige der diese Frage beantworten könnte zufällig in Urlaub oder es braucht halt eine Woche Zeit diese „extrem“ schwierige frage zu beantworten. Schlicht und einfach will ich’s wissen, den wenn man dem Hersteller bei so simplen dingen nicht trauen kann, warum soll ich dann seinen Inhaltsstoffen trauen? Deshalb also....
Nachricht 2 an Landliebe:
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor kurzem haben wir Sie angeschrieben, um im Interesse der Verbraucher in Erfahrung zu bringen, ob Sie als Erzeuger mit der Behauptung ihre Bezugsquellen sorgfältig auszuwählen als vertrauenswürdig einzustufen sind. Leider haben wir keine Stellungnahme bezüglich der recht einfachen Frage erhalten. Ich denke der Verbraucher darf sich diesbezüglich seine eigenen Gedanken machen.
Liebe Grüße, Ingo Axer/ PHO
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1 tag,2 Tage,3 Tage...Und siehe da...
Reaktion von Landliebe:
Sehr geehrter Herr Axer,
Wir bedanken uns für Ihre Anfrage, die wir gerne beantworten.
Die Landliebe-Milch kommt aus dem regionalen Umkreis (ländlicher Raum) der Molkereibetriebe - z. B. aus den bekannten Milchregionen Bergisches Land, Sauerland, Hohenlohe und Nordschwarzwald.
Die Landliebe-Bauernhöfe sind in der Regel typische Familienbetriebe, die von mehreren Generationen bewirtschaftet werden. Im Durchschnitt halten diese Landwirte Herden von 40 bis 70 Tieren. Eine bestimmte Betriebsgröße ist Voraussetzung, um die hohen Anforderungen an die Landliebe-Milchbauern erfüllen zu können.
Die ausgewählten Bauernhöfe stehen auch für eine artgerechte Tierhaltung: Die Kühe werden in hellen Boxen-Laufställen oder Stallformen in Kombination mit Weidegang, gehalten.
Wie werden die Landliebe-Bauernhöfe kontrolliert?
Es werden Kontrollen und Begutachtungen seitens mehrerer Stellen durchgeführt: Neben umfangreichen Eigenmaßnahmen werden die Bauernhöfe durch externe Institute überprüft. Hinzu kommen Kontrollen durch die zuständigen Behörden (Veterinäramt).
Die Kontrollen der Landliebe-Bauern erfolgt regelmäßig - auch unangemeldet. Den Kontrolleuren muss der Zutritt gewährt werden.
Zur Überprüfung werden Qualitätskriterien herangezogen, die zum Teil über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Bei den Kontrollen werden schwerpunktmäßig folgende Kriterien überprüft:
* Tierhaltung
* Hygiene im Betrieb und bei der Milchgewinnung
* Fütterung
So dürfen z. B. nur Futtermittel von zugelassenen/zertifizierten Futtermittelherstellern verwendet werden; der Einsatz von Futtermitteln muss durch Rückstellmuster nachvollziehbar und kontrollierbar sein.
Die besondere Qualität der Landliebe-Milch ist zum einen durch den naturbelassenen Fettgehalt von mindestens 3,8 Prozent gekennzeichnet. Für Landliebe wird außerdem ausschließlich Rohmilch verwendet, die höchsten Qualitätsanforderungen entspricht. Diese
so genannte S-Milch entspricht den hohen Landliebe-Qualitätsanforderungen, insbesondere höchsten Hygiene-Kriterien.
Es werden spezielle Rohmilchuntersuchungen und ein Rückstandsmonitoring durchgeführt, das sich durch die höhere Untersuchungsfrequenz und die höhere Anzahl der untersuchten Stoffe auszeichnet. Jede Anlieferung von Rohmilch wird zum Beispiel auf Antibiotika-Rückstände untersucht.
Bezüglich der Rückstände und Schadstoffe werden von Landliebe die strengen Kriterien für Babynahrung herangezogen: Im Rahmen des Rückstandsmonitorings wird sichergestellt, dass die für Babynahrung vorgegebenen Werte von jeweils nicht mehr als 0,01 Milligramm pro Kilogramm an Pflanzenschutz-, Schädlingsbekämpfungs- und Vorratsschutzmitteln (§14 der Verordnung über diätetische Lebensmittel) eingehalten werden.
Weitere Fragen beantworten wir Ihnen gerne unter den angegebenen Kontaktmöglichkeiten.
Mit freundlichen Grüßen
i. V. R. E....-W.......
QM-Beauftragte/Management Representative Quality Systems
Leitung Kundenservice/ Management Complaints
Campina GmbH
Wimpfener Str. 125
74078 Heilbronn
<ende>
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Nachricht 3 an Landliebe:
Sehr geehrter Herr E....-W.......,
gerne greifen wir auf Ihr Angebot zurück, weitere Fragen an Sie zu richten.
Wie ich aus Ihrer Mail entnehmen kann, sind Sie im Umgang mit Verbrauchern geschult. Aber meine Fragen stehen zum größten Teil noch offen. Ich weiß jetzt zwar auf welcher Erdhalbkugel sich diese Höfe befinden sollen, aber den genauen Standpunkt um uns z.B. selbst ein Bild zu machen kennen wir jedoch nicht.
Sie schreiben das die Höfe durch unabhängige Institute geprüft werden, aber welche Benennung diese haben leider nicht. Futtermittel zu verwenden von "Zugelassenen" Futtermittelherstellern sollte selbstverständlich sein, denn alles andere wäre wohl eher Semi-Legal und sollte daher kein schlagfertiges Kriterium sein. Darüber hinaus sind auch Gen-Futtermittel-Hersteller zugelassen.
Wir finden es interessant das Landliebe selbst Kontrollen durchführt z.B. Rückstandsmonitoring, Antibiotika etc...
Mit welcher Ausstattung wird dies realisiert (z.B. Sequenzer oder... etc...?
Liebe Grüße, Ingo Axer/ PHO
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Reaktion von Landliebe:
Keine Reaktion.
Fazit:
Auch wenn Landliebe diese Frage vermeintlich beantwortet hat, war es nur ein banaler Ausweich-Versuch der uns nicht die Möglichkeit geben soll selbst eine Sicherheit einzuräumen. Mich würde interessieren wie ich als "unabhängiger" Kontrolleur Kontrollieren soll wenn das "Was" und "Wo" nicht geklärt ist. Jeder hat die Möglichkeit Hersteller zu bitten offen zu legen was Produkte beinhalten bzw. zu fragen was diese Stoffe im Körper bewirken oder wo diese ihren Ursprung haben. Man kann aber davon ausgehen das diese Fragen nicht wirklich ehrlich oder sogar überhaupt nicht beantwortet werden.
Sollten Sie aber Fragen an einen Hersteller haben z.B. der Zusatzstoffe wegen, wissen aber nicht wie Sie vorgehen sollen, dann scheuen sie sich nicht sich an die PHO zu wenden. Wir helfen gern weiter und würden uns auch für diese Reaktionen sehr Interessieren.
Liebe Grüße, Ingo Axer
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Rapunzel´s Stellungnahme zur PAK verseuchten schokolade
Vor kurzem haben wir den Hersteller der PAK verseuchten Schokolade "Bio Negro" angeschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass man sich nicht ohne Weiteres damit zufrieden geben kann, dass nur die "Bio Negro" Variante aus dem Verkehr gezogen wird. Wenn der hohe PAK-Wert durch den Röstprozess der Kakaobohne zustande kommt, wäre davon auszugehen, dass der PAK-Wert bei den anderen Schokoladenvarianten mit höherem Kakaoanteil noch höher liegen könnte.
Der Hersteller reagierte mit folgenden Zeilen:
Sehr geehrter Herr Axer,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Wir sind natürlich über den hohen PAK-Wert in Bio Negro sehr betroffen, insbesondere weil wir sehr hohen Aufwand im Bereich Qualitätssicherung und Analysen von Schadstoffen betreiben.
Da wir in 20 Jahren Schokoladenherstellung keinerlei Analyseergebnisse hatten, bei denen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Schokoladen gefunden wurde, haben wir bisher diesen Stoff nur stichprobenartig in unserer Analyse. Wir gehen aufgrund der langjährig unauffälligen Ergebnisse davon aus, dass es sich um ein Problem in einer einzelnen Produktion (MHD 7/08) der Sorte Bio Negro handelt.
Für unsere anderen kakaohaltigen Produkte besteht derzeit kein Verdacht, wir haben aber vorsichtshalber für alle Schokoladen und kakaohaltigen Produkte Analysen in Auftrag gegeben.
Die Analysenergebnisse werden uns voraussichtlich morgen vorliegen. Dann werden wir uns nochmals bei Ihnen melden, denn selbstverständlich werden wir alles Mögliche tun, um diesen Vorfall lückenlos aufzuklären.
Mit freundlichen Grüßen
Anke Malas
Diplom-Ökotrophologin/ Rapunzel Naturkost AG
>Ende<
Am 7.12.07 habe ich noch mal nachgefragt und um die Laborergebnisse der restlichen Kakaohaltigen Produkte gebeten.
Folgende Antwort habe ich erhalten.
Von Rapunzel Naturkost AG:
"Ich verstehe, dass Sie auf die Analysenergebnisse warten. Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung. Leider sind noch nicht alle Ergebnisse vollständig eingetroffen, die uns eine abschließende Beurteilung für die Ursache der Belastung mit Benzo(a)pyren in Bio Negro Bitterschokolade erlauben.
In der Zwischenzeit haben wir bereits einige Analysenergebnisse erhalten. Alle eingegangenen Werte sind gut, d.h. unterhalb der Nachweisgrenze von 1 µg Benzo-(a)-pyren / kg.
Die jetzigen Ergebnisse liefern ein positives Bild, jedoch sind uns die Analysen noch nicht umfassend genug. Die Labore arbeiten auf Hochtouren an weiteren Analysen, haben jedoch begrenzte Kapazitäten, gerade in der Vorweihnachtszeit. Die Ergebnisse aus den Analysen der verschiedensten Produktionschargen treffen die nächsten Tage kontinuierlich bei uns ein.
Für die Produkte SAMBA, Tiger-Creme, Tiger, Tiger Quick und Kakaopulver konnten keine PAK-Kontaminationen nachgewiesen werden. Sie können bedenkenlos verwendet werden.
Die aktuellen Untersuchungsergebnisse habe ich Ihnen mitgeschickt.
Wir bedanken uns für Ihr Verständnis und bitten Sie noch um etwas Geduld bis wir eine endgültige Aussage treffen können."
Mit freundlichen Grüßen
Anke Malas
Diplom-Oecotrophologin
Kundenservice / Marketing
>Ende<
Abschluss Fazit : 1.9.2008
Ursache zur Belastung der Schokolade "Bio Negro"
Der gefundene Wert trifft Rapunzel sehr, da diese einen besonders hohen Aufwand für Qualitätssicherung betreiben, der selbst innerhalb der Biobranche außergewöhnlich ist. Heute wendet Rapunzel AG ein breites Screening bei der analytischen Absicherung aller Produkte an. Das diese PAKs bisher nicht regelmäßig in Analysenraster einbezogen wurden, hat damit zu tun, dass diese Stoffe in der Vergangenheit auch von Fachleuten und Verbänden in Kakao- und Schokoladenprodukten als nicht relevant eingeschätzt wurden.
Dies ist auch der Grund, weshalb seitens des Gesetzgebers dafür bisher keine Höchstmengen bzw. Grenzwerte festgelegt wurden. Hier kann man mal wieder sehen wie leichtfertig Gesetzgeber und sogenannte Spezialisten mit unserer Gesundheit umgehen. Schade das sich auch manche Bio-Erzeuger auf die Aussage solcher Spezialisten teilweise verlassen müssen.
Rapunzel´s Fokus in der Analytik lag bisher vor allem auf anbaurelevante Stoffe wie Insektizide, Herbizide sowie auf allen weiteren bekannten Problemstoffen. Bei diesen Werten lag die getestete Schokolade Bio Negro unter der Nachweisgrenze.
Obwohl ich ein sehr kritischer Mensch bin bezüglich der Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel und Genussmittel, sehe ich in diesem Fall in der Tat einen Ausrutscher, was aber nicht bedeuten darf das die Kontrolle der Zulieferer vernachlässigt werden sollte.
Bei dem PAK Fund in der Bio Negro mit MHD 07/08, macht die Auswertung deutlich, dass 9768 Tafeln, das entspricht 977 kg betroffen waren. Inzwischen sind über 280 Analysenergebnisse fertiggestellt. Die Analysen der Kakaobohnen aus Rapunzel´s Kakao-Ursprungsländern Bolivien und Dominikanische Republik, weisen keine nachweisbaren Spuren von PAKs auf.
Damit wollte Rapunzel den Nachweis erbringen, dass es sich bei dem PAK-Wert in der Bio Negro Schokolade tatsächlich um ein Einzelfallproblem handelte. Verursacht wurde es durch den Einsatz von verarbeitetem Kakao aus der Dominikanischen Republik, der aus einer bestimmten Lot-Nummer und dort ausschließlich aus einem Container Kakao stammt.
Nach den bisherigen Erkenntnissen war ein Defekt an einer Röstanlage die Ursache für den erhöhten PAKs-Wert.
Rapunzel stimmt zu das es notwendig ist den Kontrollaufwand und die Betreuung der Bauern nochmals zu erhöhen, um künftig Risiken zu minimieren.
Zu beachten ist das Rapunzel seine Produkte teilweise aus dem Fairhandelsprogramm HAND IN HAND bezieht und diese Ursprungsländern nicht immer dieselben technischen Möglichkeiten bietet, wie zum Beispiel die Entfernung von vorhandenen PAKs mit Aktivkohle, oder die Desodorierung mit sehr hohen Temperaturen.
Rapunzel muß sich der Herausforderung stellen, die Kontrollen zu erhöhen und weitere Schulungsmaßnahmen in den Projekten anbietet. Bis auf weiteres will Rapunzel die Kakaobohnen direkt beziehen und vorerst nur in Europa weiterverarbeiten lassen. Dies gilt bis zur endgültigen Absicherung, dass die Verarbeitungsanlagen im Ursprungsland keine Erhöhung von PAKs-Werten verursachen.
In Health and Happiness, Ingo Axer
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